Eine Visitenkarte, viele Hände, mehrere Wochen – und wie daraus ein Klick wurde
Visitenkarten liefen über E-Mail, Excel und Freigabe-Schleifen mit der Druckerei. So haben wir den Bestellprozess in Microsoft 365 neu gebaut: Power App mit Live-Vorschau, SharePoint-Stammdaten und Ein-Klick-Bündel an die Druckerei.
Einleitung
Einleitung
Eine Visitenkarte zu bestellen klang bei diesem Kunden – einem filialstarken Handelsunternehmen mit mehreren Gesellschaften – nach fünf Minuten Arbeit. In Wirklichkeit war es ein erstaunlicher Umweg: Bestellung per E-Mail, dazu eine Excel-Liste, in die jeder seine Daten eintippte. Waren genug Bestellungen zusammen, gingen sie an die Druckerei. Die erstellte Freigaben, schickte sie an den Einkauf, der an den Mitarbeiter, der gab frei, zurück an den Einkauf, zurück an die Druckerei. Für ein Stück Karton durchlief eine Bestellung mehrere Hände und mehrere Wochen. In einer digitalen Zeit ein bemerkenswerter Aufwand. Wir haben uns diesen Ablauf aus eigener Initiative angesehen – und ihn von Grund auf neu gebaut: als schlanke Anwendung in Microsoft 365, mit Power Apps, SharePoint und Power Automate.
Der alte Weg: viele Hände für ein Stück Karton
Der alte Weg: viele Hände für ein Stück Karton
Der Reiz des Beispiels liegt darin, wie normal dieser Ablauf wirkte – und wie viele Beteiligte er trotzdem band:
- Bestellung per E-Mail anstoßen und die Excel-Vorlage anfordern.
- Kontaktdaten von Hand in die Excel-Liste eintippen.
- Warten, bis genug Bestellungen für einen Sammelauftrag zusammenkamen.
- Sammelliste an die Druckerei; die erstellte daraus Freigabe-PDFs.
- Freigaben zurück an den Einkauf, von dort an jeden einzelnen Mitarbeiter.
- Mitarbeiter prüft und gibt frei – zurück an den Einkauf, zurück an die Druckerei.
Jeder Schritt für sich war harmlos. In Summe entstand ein Prozess ohne Standard, ohne Status und ohne klare Verantwortung – abhängig von Postfächern, Excel-Versionen und Geduld. Und jede Freigabeschleife existierte nur, weil niemand vorher sah, wie die Karte am Ende tatsächlich aussehen würde.
Das war kein Visitenkarten-Problem, sondern ein Prozessproblem
Das war kein Visitenkarten-Problem, sondern ein Prozessproblem
Solche Abläufe gibt es in fast jedem Unternehmen mit verteilten Mitarbeitenden, festem Corporate Design und einem externen Dienstleister – von der Visitenkarte über Bedarfsanforderungen bis zu Freigaben. Fachlich sind sie trivial, operativ aber unübersichtlich, weil sie nie bewusst gestaltet wurden. Genau deshalb eignen sie sich, um zu zeigen, was operative Digitalisierung im Alltag wirklich bedeutet: nicht ein großes System, sondern einen sauberen Ablauf mit eindeutigen Daten, klaren Rollen und einer verlässlichen Übergabe.
Die Lösung: der Visitenkarten-Bestellprozess in Power Apps und SharePoint
Die Lösung: der Visitenkarten-Bestellprozess in Power Apps und SharePoint
Entstanden ist eine schlanke Anwendung, die vollständig in der bestehenden Microsoft-365-Umgebung des Unternehmens läuft – kein neues System, keine zusätzliche Softwarewelt, keine Daten außer Haus. Drei Bausteine greifen ineinander:
Power App
Eine interne App als einziger Einstieg: Mitarbeitende erfassen ihre Daten und sehen sofort die fertige Karte. Der Einkauf hat eine eigene Übersicht aller Anträge.
SharePoint
Zentrale Datenbasis: Anträge mit Status und Historie, dazu Stammdaten für Gesellschaften, Adressen und Kostenstellen sowie die hinterlegten Kartenvorlagen.
Power Automate
Zwei Flows bündeln die freigegebenen Anträge auf Knopfdruck zu einer Datei für die Druckerei und markieren sie automatisch als exportiert.
Drei Details, die den Unterschied machen
Drei Details, die den Unterschied machen
Die Karte, bevor sie gedruckt wird
Herzstück ist eine maßstabsgetreue Live-Vorschau: Während der Mitarbeiter Name, Funktion, Telefon und Co. eingibt, entsteht daneben in Echtzeit die fertige Visitenkarte im Corporate Design – exakt so, wie sie später aus dem Druck kommt, inklusive Logo, Kontakt-Icons, Gesellschaftsadresse und optionalem QR-Code. Damit verschwindet der eigentliche Grund für die alte Korrekturschleife: Die Freigabe passiert nicht mehr nachgelagert bei der Druckerei, sondern beim Ausfüllen. Was der Mitarbeiter absendet, ist bereits das geprüfte Ergebnis.
Richtige Vorlage, richtige Daten – automatisch
Niemand wählt mehr eine Vorlage aus oder tippt eine Firmenadresse ab. Welche Kartenvorlage gilt – etwa Standard- oder Filial-Visitenkarte –, ergibt sich automatisch aus der Gruppenzugehörigkeit des Mitarbeiters im Azure-AD. Gesellschaft, Adresse und Kostenstelle kommen aus SharePoint-Stammdaten. So ist jede Karte von vornherein korrekt und markenkonform, ohne dass jemand Corporate-Design-Regeln im Kopf haben muss. Bei mehreren Gesellschaften und vielen Standorten ist genau das der Punkt, an dem der alte Excel-Weg regelmäßig scheiterte.
Vom Antrag zum Druck: ein Klick statt einer Sammelmail
Der Einkauf sieht in seiner Übersicht alle Anträge und löst die Übergabe an die Druckerei per Knopfdruck aus. Im Hintergrund sammeln zwei Power-Automate-Flows die passenden Anträge, erzeugen daraus eine strukturierte CSV-Datei, legen sie für die Druckerei ab und markieren die enthaltenen Anträge als exportiert – damit nichts doppelt läuft. Aus „Excel-Liste pflegen und mailen“ wird ein einziger Klick mit sauberem, einheitlichem Datenformat.
Kernaussage
Die beste Freigabe ist die, die man nicht mehr braucht. Sobald der Mitarbeiter beim Ausfüllen schon die fertige Karte sieht, ist die Korrekturschleife mit der Druckerei überflüssig – aus mehreren Wochen Hin und Her wird ein Vorgang, der sich selbst prüft.
Warum bewusst im eigenen Microsoft 365 – nicht als neues Tool
Warum bewusst im eigenen Microsoft 365 – nicht als neues Tool
Für einen wiederkehrenden internen Ablauf lohnt sich selten eine eigene Spezialsoftware mit eigener Anmeldung, eigenem Lizenzmodell und eigener Datenhaltung. Power Apps, SharePoint und Power Automate sind in den meisten Unternehmen längst vorhanden – sie müssen nur als Prozessplattform genutzt werden. Die Lösung läuft deshalb im bestehenden Tenant: Anmeldung über das gewohnte Microsoft-Konto, Rollen über die vorhandenen Gruppen, Daten unter der eigenen Governance. Kein zusätzliches System, das gepflegt, geschult und bezahlt werden will.
Was der Betrieb heute davon hat
Was der Betrieb heute davon hat
Aus einem vielstufigen E-Mail-Prozess ist ein geführter Self-Service geworden:
- Mitarbeitende bestellen selbstständig – mit maßstabsgetreuer Vorschau statt Blindeingabe in Excel.
- Jede Karte ist von vornherein korrekt und markenkonform, weil Vorlage und Stammdaten automatisch stimmen.
- Die Korrektur- und Freigabeschleife mit der Druckerei entfällt weitgehend.
- Der Einkauf übergibt gebündelt per Klick – einheitliches Format, keine Sammelmails.
- Jeder Antrag ist mit Status und Historie nachvollziehbar, statt in Postfächern verstreut.
- Mehrere Gesellschaften und Filialen laufen über denselben Prozess, ohne Sonderwege.
Operative Digitalisierung beginnt selten mit dem großen Transformationsprojekt. Sie beginnt bei den kleinen, wiederkehrenden Abläufen, die niemandem gehören und trotzdem jeden Monat Zeit kosten. Der Visitenkarten-Prozess ist dafür ein Musterfall: erst den Ablauf verstehen, dann mit vorhandenen Bordmitteln sauber bauen – und aus vielen Händen wird ein Klick. Dasselbe Prinzip trägt für Bedarfsanforderungen, Freigaben, Onboarding oder jede andere interne Bestellung.
FAQ
FAQ
Häufige Fragen
Ihr nächster Schritt
Welcher interne Ablauf läuft bei Ihnen noch über E-Mail, Excel und Zuruf? Oft steckt genau dort der größte, unbeachtete Zeitfresser. Wir schauen gemeinsam drauf und zeigen, was sich mit den Microsoft-365-Bordmitteln schlank und belastbar abbilden lässt.
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